
Das Modulfeld nach der Verdopplung der Modulflächen im Frühjahr 1988
Im April 1988 geht Deutschlands erste kommerzielle Netzeinspeisungsanlage ans Netz
Anfang 1988 kamen zwei junge Männer in die Firma, die schon auf den ersten Blick der alternativen studentischen Szene zuzuordnen waren. Sie packten eine Elektronik ohne Gehäuse aus einem Karton und erklärten, das sei ein Netzentlastungsgerät. Damit könne man den Solarstrom in 220V Wechselstrom wandeln und über eine Steckdose direkt ins öffentliche Netz einspeisen. Wenn man im Haus weniger Strom verbrauche als die Solarmodule erzeugten, liefe der Stromzähler rückwärts. Auf dieses Stromguthaben könne man dann später bei schlechtem Wetter oder in der Nacht zurückgreifen.
Mein erster Gedanke war: „Eine hübsche Lösung für ein Problem, das keiner hat.“ Die mit Solarmodulen erzeugte kW-Stunde kostete seinerzeit mehr als 5 DM, aus dem Netz bezogen aber nur rund 20 Pfennig. Wer sollte so etwas kaufen? Da fiel mir unser Kunde Addi Höötmann ein. Als überzeugter Atomstromgegner zahlte er seine Stromrechnung nicht und hatte sich auf seinem Balkon mit Solarmodul, Laderegler und Akkus eine autarke Stromversorgung aufgebaut. Die Achillesferse jeder Inselstromversorgung ist der Akku. Er muss pfleglich behandelt werden und hat dennoch eine begrenzte Lebensdauer. Die Idee, den erzeugten Strom im öffentlichen Netz zu parken, um ihn bei Bedarf jederzeit zurück zu holen, erschien vernünftig. Mit Pfarrer Breidert aus Staufenberg bei Gießen hatten wir einen weiteren Interessenten, der schon eine thermische Solaranlage von uns hatte und wild entschlossen war, Strom aus Sonnenlicht zu nutzen.
Wir bestellten 2 Geräte, eines mit 270W und eines mit der doppelten Leistung.
Das kleine Gerät kaufte Addi, das andere wurde in einer 540 Wp Solarstromanlage (6 Solec-Module S-5233, 90Wp) verwendet, die wir auf der Garage des Pfarrhauses aufbauten.
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| Heinz Wenzel bei der Modulmontage |
Hierbei halfen Heinz Wentzel und Thomas Payer, ein Elektrotechnik-Student der Fachhochschule-Gießen, dem wir angeboten hatten, über diese Anlage eine Diplomarbeit zu schreiben.
Im April 1988 ging die Anlage ans Netz. An die Steckdose haben wir den Wechselrichter dann aber doch nicht angeschlossen, sondern mit Tolerierung der Stadtwerke einen ordentlichen Anschluss gelegt.
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| Der Diplomand Thomas Payer vor seiner Meßeinrichtung im Sommer 1978 |
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| Stolz auf seine Pionierleistung: Pfarrer Martin Breidert vor seiner Netzeinspeisungsanlage nach der Erweiterung im Frühjahr 1988. |
Plus-Minus Sendung von 01.07.1988 (Ausschnitt)